Prekariat - Informationen rund um das prekäre Leben

Zahlen und Fakten zum Thema Prekariat

Zwölf Prozent aller Erwerbsfähigen in Österreich, also etwa 500.000 Personen, gelten als prekär beschäftigt, mehr als die Hälfte davon sind Frauen. Menschen mit Migrationshintergrund sind mit 15% verstärkt von prekärer Beschäftigung betroffen.

Als prekär gelten unregelmässige Beschäftigung, Teilzeitbeschäftigung mit weniger als 12 Wochenstunden und ein Bruttoeinkommen unter 1000 EUR/Monat (= 818 EUR netto), womit derzeit etwa ein Fünftel aller Beschäftigten in Österreich auskommen muss. Unregelmässige Beschäftigung ist typisch für freien Dienstverträge, Werkverträge, Leiharbeit und befristete Beschäftigungsverhältnisse. Mit Ausnahme von Leiharbeit ist unregelmässige Beschäftigung relativ gleichmässig auf die Geschlechter verteilt. Ganz anders bei Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung, die nicht nur den Löwenanteil an prekären Beschäftigungsverhältnissen ausmacht, sondern mit gut 80% fast ausschliesslich Frauen trifft.

Prekäre Beschäftigungverhältnisse nehmen in Österreich deutlich zu: während die Gesamtzahl der unselbständig Beschäftigten von 2005 auf 2006 um 1,6% gestiegen ist, sind diese zwischen 5% (neue Selbständige, geringfügig Beschäftigte) und 21% (Leiharbeit) gestiegen, bei Frauen stärker als bei Männern. Als junges Phänomen kommt nun auch die „Generation Praktikum“ hinzu, wo tausende junge HochschulabsolventInnen in prekären Verhältnissen wertvolle Arbeit verrichten.

Nicht alle prekär Beschäftigten sind auch arm, aber die Armutsgefährdungsquote unter prekär Beschäftigen ist mit 18% deutlich höher als bei der Gesamtbevölkerung, die zu 12,8 % (= 1.030.000 Personen) armutsgefährdet ist. Am stärksten betroffen sind auch hier MigrantInnen, deren Armutsrisiko doppelt so hoch ist, wie jenes von prekär beschäftigten ÖsterreicherInnen.

Prekär beschäftigt zu sein, heisst keine Lebensplanung machen, keine Perspektive entwickeln zu können – für manche ein Leben lang. Prekär beschäftigt zu sein, heisst, in grosser Unsicherheit zu leben, Angst zu haben. Ist das die Gesellschaft, die wir anstreben?
Prekäres Leben im Prekariat-Bild
Klaudia Paiha
Bundessprecherin der Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen (AUGE/UG)

paiha@ug-oegb.at
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