Prekariat - Informationen rund um das prekäre Leben

Coaching in Krisensituationen

Ein besonderes Problem, dem sich Menschen in prekären Lebensverhältnissen gegenüber sehen ist der Kreislauf von (scheinbaren) Misserfolgen, Geldmangel und Rückschlägen. Aus diesem ewigen Perpetuum Mobile heraus zu kommen ist eben besonders schwer, da den meisten die Mittel für professionelle Lösungen wie Coaching, Psychotherapie etc. fehlen. Das wenige Geld, das man hat, benötigt man eben für den unmittelbaren Lebensunetrhalt oder für andere dinge. Aber sicherlich nicht um einen (teuren) Coach oder Therapeuten zu bezahlen. Im Falle von Arbeitslosigkeit können oft die Arbeitsämter einspringen und bieten den Betroffenen kostenlose Unterstützungsmassnahmen (Einzelcoachings…) an. Bei Personen, die zwar in den Arbeitsmarkt integriert sind, aber dennoch zum Prekariat zählen, konnten diese Maßnahmen aber bislang nicht realisiert werden.

Abhilfe schaffen inzwischen unterschiedliche - von mehreren europäischen Arbeitsämtern angebotene - Lösungsmöglichkeiten sowie unterschiedliche von einzelnen Kommunen. Die Finanzierung erfolgt in den meisten Fällen über mehrere Quellen, meist handelt es sich um gemeinsame Aktionen von EU, Nationalstaaten und Gemeinden. (Vorsicht, oft ist die Kombination mehrerer, unterschiedlicher Anlaufstellen nicht möglich. In diesem Fall unbedingt vorher die Sachlage abklären!

Das zuständige AMS ist hierbei natürlich die erste und wichtigste Anlaufstelle, in Österreich auch die Arbeiterkammern und natürlich die Webrecherche, denn detailierte Informationen gibt es glücklicher Weise an mehreren Stellen im Web:
Förderungen
Deutschland:
Coaching Berlin I
Coaching Berlin II

Ein besonderes Problem, das vor allem Langzeitsarbeitslose betrifft, das ist die Tatsache, dass häufig auch die Beziehung unter der Arbeitslosigkeit leidet. Vor allem Männer sind von dieser Thematik häufig betroffen. Vielfach isr es so, dass Männer sich mehr über ihre Arbeit definieren und die Partnerin über mehr oder weniger aufwendige Geschenke (Einladungen in Restaurants, Urlaube…) an sich binden. Das geht natürlich nur solange man(n) einen guten Job hat. Im Fall der Arbeitslosigkeit ist aber erst der Job weg, dann das Geld und dann häufig auch noch die Partnerin. Wie Sie aus diesem Teufelskreis innerhalb Ihrer Beziehung herauskommen können, erfahren Sie hier. Allerdings bieten auch viele andere Webseiten wie z. B. www.beraterteam.info interessante Informationen zum Thema “ex zurückgewinnen” an. Solche Hilfen sollte man auf alle Fälle in schwierigen Situationen mit der Expartnerin annehmen!

Links

Österreich:
Anton Proksch-Institut (Hilfe bei Suchterkrankungen)
Arbeiter Samariterbund Österreich
ARGE Migrantinnenberatung Österreich
Schuldnerberatung
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe
Bundesdachverband für soziale Unternehmen
Caritas Österreich
Dachverband Berufliche Integration
Diakonie Österreich
Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung
Katholische Aktion der Erzdiözese Wien
Katholischer Familienverband Österreich
Katholische Frauenbewegung Österreichs
Katholische Sozialakademie Österreich
Kolping Österreich
Neustart (Bewährungshilfe)
Österreichische HochschülerInnenschaft
Österreichische Plattform für Alleinerziehende
Österreichischer Berufsverband der SozialarbeiterInnen
Österreichischer Gewerkschaftsbund
promente austria
SOS Mitmensch
Telefonseelsorge
Volkshilfe Österreich
Wiener Hilfswerk

Deutschland:
www.nationale-armutskonferenz.de
www.engagiertewissenschaft.de
ver.di - Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft
Ein Artikel über Prekariat in Japan
Arbeiterwohlfahrt
Caritas Deutschland
Der paritätische Gesamtverband
Diakonie
Deutscher Bundesjugendring
BAG

“Persönlich Betroffen” - die Ausstellung im Verleih

prekaer-Prekariat-Ernährung

Die Fakten:
Die Zahlen sind erschütternd. Aber eben nur Zahlen. 1 Million ÖsterreicherInnen sind massiv armutsgefährdet. Die Hälfte davon trotz Erwerbsarbeit. Wer kennt sie? Die Betroffenen schweigen. Aus Scham. Die Nichtbetroffenen schauen weg. Denn was nicht sein darf, kann nicht sein.

prekaer-Prekariat-Psyche

Das Kunstprojekt Persönlich Betroffen will das Abstraktum Prekariat sichtbar machen. Und es mit Fotos und Texten konkret zur Sprache bringen. Damit immer weniger Betroffene schweigen. Und immer mehr Verantwortliche handeln.

Prekariat-Wohnen

Das Projekt:
Im Jänner 2008 haben wir das Kunstprojekt “Persönlich Betroffen” in der Wiener Galerie Fortuna erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Ab Anfang Februar ist die Ausstellung im Verleih erhältlich. Sie können die 5 Fototableaus und 2 künstlerisch gestalteten Texttafeln für Ihre Veranstaltungen mieten. Der Transport erfolgt in einer praktischen Box mit der Post.

prekaer-Prekariat-Mobilität

Die Eckdaten:

5 Fototableaus à 110cm x 25cm, kaschiert, problemlos an 2 Haken zu befestigen.
2 Texttafeln à 110cm x 25cm, kaschiert, problemlos an 2 Haken zu befestigen.
Katalog: 36 Seiten, 20cm x 20cm mit anonymisierten Textbeiträgen von Betroffenen, sowie Hintergrundartikel von ExpertInnen

prekaer-Prekariat-Kleidung

Der Verleih:
€ 950,- für 4 Wochen / € 580,- für 2 Wochen/
Preisnachlässe für finanzschwache NGOs auf Anfrage
zuzüglich Versandkosten:
Deutschland: € 24
andere EU-Staaten: € 36,-
andere Staaten auf Anfrage
Dazu GRATIS: 20 Kataloge (empf.Verkaufspreis € 7,-)
Versand: Der Versand erfolgt mit der Post in einer praktischen Box
Lieferumfang: 5 Fototableaus, 2 Texttableaus, 20 Gratis-Kataloge, Versandbox - Weitere Kataloge: € 5,- pro Stück

Kontakt: Tel.: +49 30/ 312 46 85
Mail
: office/äd/reportagenmanufaktur.com

Paul F. II

Bin ich jetzt ein Sozialschmarotzer ?

Mir ist etwas eigenartiges passiert. Nichts negatives, aber eigenartig. Im Grund genommen war es wie bei vielen anderen auch. Die Firma ist verkauft worden und damit sind Kündigungen angestanden. Eigentlich hab ich gedacht, entweder werde ich gekündigt (man ist ja nicht mehr so ganz taufrisch), oder es wird mir ohne viel Umstände ein neuer Arbeitsplatz zugewiesen. Aber es ist dann doch anders gekommen. Ich konnte im wesentlichen die Entscheidung selbst treffen.

Nach einigen Gesprächen bin ich vor der Frage gestanden, soll ich bleiben, weils ja schließlich Arbeit ist und ich aufgrund meines Alters ja kaum noch was anderes finden werde, oder soll ich ein recht großzügiges Angebot annehmen und einer einvernehmlichen Kündigung zustimmen. Für viele, die vergeblich Arbeit suchen wäre das wahrscheinlich keine Frage. Natürlich müsste ich bleiben, schließlich müsste man ja froh sein, in diesem Alter noch einen Job zu haben! Aber da gibt’s halt noch eine andere Seite: Die neuen Arbeitsbedingungen und die neue Umgebung wären gänzlich anders geartet und (vorsichtig ausgedrückt) nicht gerade das, was mir zusagen würde. Konnte ich bislang sehr selbständig arbeiten, wäre das jetzt praktisch gar nicht mehr möglich. Die Arbeitsbelastung (oder wie es so schön heißt der Stress) wäre deutlich höher, was nach einem überstandenen Herzinfarkt nicht ganz unwesentlich erscheint. Und nicht zuletzt wäre ich dann doch irgendwie das fünfte Rad am Wagen und nicht wirklich gewollt. Obwohl die Gespräche durchaus freundlich verlaufen sind, war doch herauszuhören, man würde mich eben behalten, weil man jemanden in meinem Alter nicht gut kündigen kann.

Es war eine schwierige Entscheidung. Viel Geld oder wenig Geld, Job oder Arbeitslosigkeit, Stress oder Gesundheit ? Ich habe mich dafür entschieden, NICHT weiter zu arbeiten. Meine Familie und meine Freunde meinen, ich hätte richtig entschieden. Finanziell geht sich das aus und besser arbeitslos als noch ein Herzinfarkt. Und letztlich — muss man wirklich arbeiten um JEDEN Preis?

Oder bin ich jetzt ein Sozialschmarotzer?

Verena

Mit 31 jahren bin ich in kranken-pension „geschickt“ worden, freilich erst mit einem jahr verspäteter zuerkennung… jahrelang fristete ich die psychotisch turbulente zeit mit notstandshilfe, pensionsbevorschusssung und sozialhilfe, immer wieder bürokratische würden und am ende des prozesses immer eine neue übergangssituaton – futter für meine angstzustände. Auf grund psychischer instabilitäten „bin ich in der bewältigung meines alltages eingeschränkt“, wie das eine psychotherapeutin mal so schön formulierte. Erst im 6. jahr der pension gewährte die pva mir eine „unbefristete“ kranken-pension, im originallaut: „befristet auf die dauer der berufsunfähigkeit“ und mit kontrollen „in angemessenen zeitabständen“. Bis heuer hatte ich die pension immer auf ein oder zwei jahre befristet – schon monate vor so einer „begutachtung“ frassen sich die angstzustände in dieses thema rein. Nie weiss ich, was danach steht: selbst, sollte ich es schaffen, einen lebenssichernden job zu ergattern, die wahrscheinlichkeit schon wenige monate später überfordert im spital zu liegen, lähmt solche überlegungen und ich fiebere, dass ich meine wohnung nicht verlier. Ich habe auch „gute“ tage und der/die begutachtende mediziner/in könnte einen völlig falschen eindruck von mir gewinnen; ich habe auch gehört, dass es eine gewisse quote an bewilligungen gibt: was wenn zufällig dieses monat so viele schwere fälle sind, dass mein fall nicht mehr relevant ist?

Schon die tatsache, dass ich keine mindestpension, sondern eine durchschnittliche frauenpension von nicht ganz 800 netto bekomme, war das glück eines gar nicht so langen beschäftigungsverhältnisses mit guten sozialen bedingungen. Wäre meine krankheit so richtig ausgebrochen bevor ich im österreichischen sozialsystem integriert gewesen wäre, nicht auszudenken… sozialhilfe ist keine dauerleistung und ausser den fehlenden 13. und 14. zahlungen auch 200 € weniger monatlich. 200 € bleiben mir monatlich für essen und vergnügen, wenn ich 13. und 14. für kosmetika und haushalt und immer wiederkehrende sonderzahlungen brav bunker. Also könnte ich dann nicht so wohnen – auf fast 60 m² am gürtel. Meine wohnung ist, was ich mir „leiste“. Ein zuhause, dass genug fläche bietet, auch kranke wochen auf kleinem raum zu überstehen und sich wiederfinden zu können, wenn der stress draussen mich zur strecke bringt.
Ohne meinen freundeskreis wär das nicht möglich. Wenn es knapp wird, laden sie mich auf essen und menschlichen umgang ein. Es war auch nicht einfach, von einem überdurchschnittlichem gehalt auf ein leistungsniveau zu finden, dass der armutsgrenze entspricht. Ich habe noch lange nicht aufgegeben, wieder einmal arbeiten zu können, ich bin erst 37und könnte noch ein paar jahrzehnte „einarbeiten“, meine pension abarbeiten. Aber wer wartet in dieser re/produktionswelt auf eine „wiedereinsteigerin“ mit 40? das schliesst sich dann berufsmäßig der kreis. Wenn ich mal so weit bin, möchte ich dass es statt jeder menge zuverdienstjobs lebensunterhaltssichernde beschäftigungen gibt, auch für leute mit einem besonderem lebenslauf. Es ist für das selbstwertgefühl nicht so einfach, als behindert zu gelten, auch wenn es nur 52,8% prozent sind!

Reinhard

wie es geht, dass man sich in prekären verhältnissen wiederfindet, das braucht zeit; man hat aber diese zeit, eine erholungszeit, da man ja nie ganz aus dem netz fällt, bei uns, gottseidank, nein, nicht gott, sondern unserem sozialsystem, so elend es die elenden behandelt, indem es sich auf “professionelle” hilfswerke verläßt, igitt, aber wichtig ist, dass man medizinisch und auch psychosozial behandelt wird, es braucht halt alles zeit, zum überleben reichts, wenn man nicht auf die gruft* angewiesen ist, dort reichts nur mehr zum verrecken, jede woche ein, zwei neue parten mit foto, so weit ist es nicht gekommen, es gibt geld für mich, sogar vom arbeitsamt, nicht von der sozialhilfe; aber was interessiert, ist das hineingeraten, das einem so
passieren kann nach krankheit und folgender depression, die als solche nicht wahrgenommen wird, weil man die mangelnde kraft nicht wahrhaben will, und kämpft bis gar keine kraft mehr da ist, dann wird man auf die strasse gesetzt und dort sozusagen aufgefangen, es geht, man kann sogar ohne einen groschen geld überleben, sauber bleiben, wenn man halbwegs sanft medikamentiert ist; hineingeraten bin ich, weil ich glaubte, genügend kraft für die verausgabungen zu haben, die ich mein leben lang betrieben habe, mit arbeit, alkohol,
zigaretten; ein getriebener, der sich nicht entspannen konnte, immer auf der flucht, vielleicht gelingt es mir langsam, ein wenig ruhe zu finden, aber ich hab ja noch so viel vor .. ;-)


*Die Gruft = Obdachlosenzentrum der Wiener Caritas

Peter

Ab einem gewissen Alter ist man ohne abgeschlossene Berufsausbildung am Arbeitsmarkt chancenlos. Die Frühpension aufgrund langer Arbeitslosigkeit gibt es nicht mehr. Für den Arbeitsmarkt bin ich zu alt. Mein jetziges Einkommen: 500 Euro Notstandshilfe bzw. Pensionsbevorschussung +78 Euro Sozialhilfe 12 x pro Jahr. Das Geld fehlt mir hinten und vorne, daher komme ich immer wieder mit der Miete in Rückstand.

Die Wohnung selbst ist in einem ziemlich desolaten Zustand, die Fenster und Türen sind undicht, der Ofen heizt von Jahr zu Jahr schwächer. Sämtliche Installationen stammen aus dem Jahr 1979, die Dusche funktioniert nicht mehr, obwohl 2004 ein Installateur den Abfluss gereinigt hat.

Mir fehlt es praktisch an allem. Kleidung, Bettzeug, Vorhänge, Schuhe, Unterwäsche. Mit der Dauer wird der ausschliessliche Bezug solcher Dinge durch Geschenke oder Erwerb in Second-Hand-Shops entwürdigend. Kino? Bücher? Theater? Purer Luxus.

Seit zwei Jahren könnte es mir finanziell sehr viel besser gehen. Aber mit der letzten Pensionsreform werden mir ständig kurz vor Erreichen der Frühpension die Türen vor der Nase zugeschlagen. Es ist ein Hohn!
GutachterInnen im Auftrag der PVA erhalten 260 Euro für eine Untersuchung, die keine 20 Minuten dauert, das ist in etwa die Hälfte, die mir in einem Monat zur Verfügung steht. Das führt auf Dauer zu Frust, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Wut, und immer wieder zu Rückfällen in Depressionen. Ein bisschen komme ich mir wie eine Ratte in einem Versuchslabor vor.

Paul F. I

Langzeiterwerbslosigkeit - Ein Leben im virtuellen Arbeitslager?

Man möge mir verzeihen, wenn ich nicht geschlechtsneutral schreibe, aber ich bin altmodisch und folge somit nicht jeder Strömung politischer Korrektheit. Das Folgende trifft natürlich für Frauen und Männer gleichermaßen zu, wobei meist Frauen mit Kindern weitaus extremer betroffen sind. Wenn jemand das erste Mal erwerbslos wird, wird ihm/ihr am Anfang gar nicht bewusst, was mit ihm/ihr passiert. Der Erwerbslose geht zum AMS, beantragt das Arbeitslosengeld und kriegt gleich einmal einen Berg Papiere die er unterschreiben muss. Dies tut er, wie die meisten gelernten Österreicher, ohne diese Formulare zu lesen. Wichtig ist ihm, dass er das Arbeitslosengeld bekommt. Dem Arbeitslosen wird zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst, dass er mit seinen Unterschriften de facto einer Entmündigung zustimmt und das AMS als Vormund einsetzt. In diesen Papieren ist fast ausschließlich nur von den Pflichten des Erwerbslosen gegenüber dem AMS und der Versicherungsgemeinschaft die Rede. Die Rechte des Erwerbslosen werden wohlweislich nicht erwähnt. Es wird ein Betreuungsplan erstellt in dem festgehalten wird, wie viele Bewerbungen ein Erwerbsloser pro Woche zu tätigen hat und noch einige weitere Pflichten, die ein Erwerbsloser zu erfüllen hat. Von den Pflichten des AMS liest man recht wenig, mit Ausnahme der nebulosen Formulierung, dass das AMS den Erwerbslosen bei der Suche unterstützen werde. Die gemeinsame Erstellung einer Liste sinnvoller Maßnahmen zur Erhöhung des Marktwertes des Erwerbslosen wird tunlichts vermieden. Die Unterstützung des Erwerbslosen durch das AMS besteht hauptsächlich aus der Zuweisung unpassender Stellen, wobei die Auswahl der Stelle durch das schlechte bestehende Softwaresystem des AMS nur ungenau erfolgen kann. Bei den Beratungen wird durch den AMS-Betreuer tunlichst vermieden, den Erwerbslosen darauf hinzuweisen, dass er mit seinen Unterschriften auf eine Reihe von Grund- und Menschenrechten gegenüber dem AMS und der Versicherungsgesellschaft verzichtet hat. Eines der wichtigsten Rechte, auf die der Erwerbslose verzichten muss, ist das Recht auf die freie Verfügbarkeit der Zeit. Alle Erwerbslosen haben dem AMS und dem Arbeitsmarkt während der Dienstzeit uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen. Überspitzt formuliert: Der Erwerbslose müsste auf seinem Handy immer erreichbar sein. Daraus ergeben sich einige sehr skurrile Situationen. 1. Besitzt man kein Handy, wird das von manchen Betreuern als Verweigerung ausgelegt. 2. Es besteht ein Reiseverbot. Im Inland müsste man sich beim zuständigen AMS ab- und beim Zielort beim dortigen AMS wieder anmelden. Bei Reisen ins Ausland wird man vom Bezug und der Krankenkasse abgemeldet. Am Skurrilsten in diesem Zusammenhang ist, dass Reisen zu Bewerbungsgesprächen, die über das „Deutsche Eck“ führen, egal ob mit der Bahn oder dem Auto, nicht gestattet sind. Die Reise hat innerhalb Österreichs zu erfolgen, auch wenn sie deshalb Stunden länger dauert. 3. Es dürfen keine nicht vom AMS zugeteilten Kurse, die in der Zeit von 7:00 bis 17:00 stattfinden, besucht werden. Da man dadurch dem AMS nicht zu Verfügung steht, verliert man den Anspruch auf das Arbeitslosengeld. 4. Es besteht keine Wahlfreiheit des Berufes. Das AMS kann den Erwerbslosen ab einer bestimmten Dauer der Erwerbslosigkeit an jede Stelle vermitteln, auch wenn dieser nicht mit der gegenwärtigen Ausbildung des Erwerbslosen zu tun hat und schon gar nicht ein ausreichendes Einkommen gewährleistet. Die Stelle muss nur ein Einkommen von mehr als 1 Euro über der Geringfügigkeitsgrenze betragen und somit Sozialversicherungspflichtig sein. 5. Zeitdiebstahl jener Zeit, die Erwerbslose als aufrechte Staatsbürger für eigenständige Bewerbungen dringender benötigen würden. Die Erwerbslosen werden nach einiger Zeit zwangsweise gewissen Schulungen zugeführt, ohne dass vorher überprüft wurde, ob diese Schulungen überhaupt sinnvoll sind. 6. Der Gipfel der Maßnahmen ist die Zuteilung der Erwerbslosen zu so genannten Sozialökonomischen (SÖB) Betrieben. Es gibt auf der einen Seite Betriebe, die wirklich gute Arbeit im Sinne der Erwerbslosen leisten (Flexwork, R.U.S.Z.), auf der anderen Seite aber speziell jene, die Transitarbeitskräfte zum „Zweiten Arbeitsmarkt“ vermitteln. Hier haben die Betroffenen den Eindruck, dass diese nur der Gewinnmaximierung dieser Betriebe dienen. In diesen wird dequalifiziert, das heißt, dass auch hochausgebildete Erwerbslose – wenn überhaupt – nur zu Hilfsarbeiten vermittelt werden. In den Stehzeiten haben diese Erwerbslosen dann in den Räumen dieser Firmen anwesend zu sein und Bewerbungen zu schreiben. Das geht teilweise so weit, dass diese Bedauernswerten dazu angehalten sind, die Firmen in der Umgebung aufzusuchen und dort um eine Anstellung zu betteln! Im Extremfall werden sie von einem Angestellten des SÖB bei potentiellen Arbeitgebern wie Hunde vorgeführt. Alle an dieser Stelle angeführten Maßnahmen – man verzeihe mir, sollte ich die eine oder andere vergessen haben – werden unter der Drohung mit dem Schwert der Bezugseinstellung rigoros durchgesetzt. Wenn man die sonstigen bereits beschlossenen und in Planung befindlichen Anschläge der Politik und Wirtschaft auf die Erwerbslosen ansieht, kommt einem der Gedanke dass sich die Erwerbslosen eigentlich in einem virtuellen Arbeitslager befinden, das vom AMS verwaltet wird. Es werden die Erwerbslosen dafür bestraft, dass Sie erwerbslos sind. Das virtuelle Arbeitslager ist umgeben vom Zaun der Verfügbarkeit und bewacht von den Betreuern des AMS. Die AMS-Geschäftsstellen entsprechen den Wachtürmen. Die in den Lagern zu verrichtende Arbeit stellen die nie enden wollenden Bewerbungen für nicht existierende Stellen dar. Die Denunzianten und Mitläufer des Systems sind die Personalisten der Firmen, die jede Gelegenheit nützen, den angeblich Arbeitsunwilligen zu schaden. Die Profitanten des Systems sind all jene, die durch die Not der Erwerbslosen über Förderungen Profite erzielen und die Erwerbslosen unter der Hoffnung, doch eine Stelle zu erhalten, in Implacements usf. für sich arbeiten lassen. Zu guter Letzt nimmt man den Erwerbslosen einerseits die Möglichkeit, selbst für ihr Leben zu sorgen, stellt ihnen jedoch andererseits keine ausreichenden Alternativen für ein Leben in Würde zur Verfügung. Die Erwerbslosen müssen somit auf ihre Rücklagen, die sie für ihr Alter angelegt haben, zurückgreifen. Sollte ein Erwerbsloser zufälligerweise einen Job bekommen, ist dies meist mit einer Reduzierung des Einkommens verbunden. Es entsteht eine Spirale nach unten in die Armut. Gleichzeitig wird durch dem vom AMS ausgeübten Druck nach langer Erwerbslosigkeit unweigerlich die Psyche der Erwerbslosen angegriffen. Im Extremfall kann das zum Suizid des Erwerbslosen führen. Es ist mir bewusst, dass die Akteure in diesem Spiel gar nicht wissen, für welches Spiel sie benutzt werden, aber wie einst Winston Churchill sagte, dass in der Politik nichts ohne Plan geschieht, möchte ich gerne wissen, wer hinter unserer Kohle her ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehrdad

Ich war voller Ideale und motiviert. Meine Augen hatten freudig und voller Glitzern nach vorne, nach der Zukunft und dem Weg dorthin Ausschau gehalten.

Ich war verzaubert und überwältigt von dem Leben, dass ich schuf, dass ich, mitten drinnen Halt machte, um das alles um mich, genauer zu verstehen und zu genießen, dass ich auf mich und wie ich weiter an dem Weg nach vorne arbeiten kann um mein Leben und meine Idealen absichern zu können, vergaß, denn ich hielt sie für Selbstverständlich.

Danach entstandener Situation, machte mich abhängiger als ich jemals war. Meine Sorgen machten mich verletzlicher und empfindlicher als je zu vor. Der Tunnel Eingang, der am Anfang meines Wegs mich freute, ist verdunkelt, vor dem ich wieder stehe.

Ich gehe mit meinen Sorgen, Gesundheit und Schulden durch den verdunkelten Eingang, mit meinem übrig gebliebenen Mitteln, durch den Tunnel weiter, befrei mich von Materiellen Dingen, die mich Anfangs begeisterten, denn ich weiß, dass ich sie wieder bekommen kann.

Ich denke an meine Gesundheit und wie ich meine Schulden wieder gut machen kann, lege das Geld für meine Fixkosten und den Rest gebe ich aus wie ich es brauche. Ich schaue, dass ich bis es für mich, eine finanzielle Änderung durch meine neue Motivation, eintrifft, Existenz Minimum einhalte, damit keine Verpfändungen möglich sind. Ich höre mir die Vorschläge und der sonstigen Empfehlungen, die mir zu dieser Änderung verhelfen können, an und versuche sie einzusetzen. Da, ich alleine, ist es zu wenig.

Dann, durch die veränderte Situation, kann ich wie am Anfang, mich über alles freuen, da ich wieder alles wieder neu gestalten und besser im Griff haben kann.

Marianne

Den Brief liegen lassen.
Der kann noch warten.
Es ist der 19. des Monats.
„Gehst noch mit auf einen Kaffee?“
„Nein. Danke für die Einladung. Ich habe keine Zeit“ antworten.
Und dies so lange, bis keine Einladungen mehr ausgesprochen werden.
Das Fenster in der Küche vorsichtig öffnen.
Es könnte in den Hof fallen.
Im Winter vor dem Gasherd sitzen, die Füße im Rohr wärmen.
Sich so lange wie möglich in öffentlichen Gebäuden aufhalten, weil dort geheizt wird.
An Buchhandlungen vorbeigehen.
Die Geschäftsstraßen meiden.
Sonderangebote suchen.
Gehen,  nicht mit der Bim fahren.
Stolz ohne Socken gehen.
Dies als persönlichen Stil präsentieren.
Dem weinenden Kind hilflos durch die Haare streicheln.
Nein, dieses Geschenk kann es nicht haben.
Zu Weihnachten vielleicht.
Die Oma nicht mehr fragen können.

Selber schuld!

Allein sein.
Traurig.
Wütend.

Drei Jobs annehmen.
Um vier am Morgen Semmeln in den Ofen schieben,
dann zur Arbeit
und am Wochenende als Aufsicht im Museum arbeiten.
Nach drei Jahren zusammenbrechen.

Selber schuld!

Die Wohnung nicht mehr bezahlen können.
„Nein, Sie haben keinen Anspruch auf eine Gemeindewohnung. Sie haben ja eine Wohnung. Klagen Sie den Vater der Kinder!“
Bei der Freundin als Mitbewohnerin mit den Kindern unterschlüpften.
Fremde Möbel.
Orientierungslos aufwachen.
Erschöpft zur Arbeit taumeln.

Müde.
Selber schuld!
Müde, so müde.

„Mensch, deine Freiheiten, einfach nicht abzuwaschen, so viel außer Haus sein zu können, möchte ich mal haben.“

Nicht antworten.

„Uns geht es doch allen viel zu gut.“
„Geld wird zu wichtig genommen.“
„Wie man sich bettet, so liegt man.“
„Es liegt an dir. Denk positiv.“

Lächeln

Heimlich im Bett weinen.
Selber schuld.

Frau, Staatbürgerschaft: Österreich, Matura, Studium, geschieden, drei Kinder, alleinerziehend.

Hanna

Wir sitzen bei Helga im Zimmer, sie schenkt Wasser aus dem Krug in ein Glas, trinkt. Wir dürfen nichts weiter sagen, sagt sie, denn es ist noch nichts offiziell. Aber der Chef hat ihr heute bei der Projektleitersitzung schon die Liste der Namen derer überreicht, die in der Firma bleiben werden. Die anderen müssen gehen nach Ablauf des Projekts, das wissen wir. Ich zünde noch schnell eine Tschik an, weil die Namen dann vielleicht erträglicher werden, inhaliere tief.

Mein Name ist nicht dabei.

Das hat nichts zu bedeuten, sagt Helga mit einem Blick, der etwas bedeutet. Wer weiß wie das ist bis dahin und ich wisse ja, dass sich das bei diesen Projekten immer noch alles ändern kann in letzter Minute, sagt sie und dämpft die Zigarette aus. Ich hätte nach 35 Jahren Lebenserfahrung gerne die Fähigkeit zum Pokerface erworben. Habe ich aber nicht. Und spüre, wie sich die Haut auf meinem Kinn kräuselt.

Trixi feiert im dritten Stock Geburtstag, da müssen wir also auch gleich hin und mit Sekt anstoßen. Nur ist mir plötzlich nicht mehr danach.

Helga tut hektisch, ich versuche ihren Blick zu deuten, sie sagt nichts mehr, aber was soll sie auch noch sagen?

Auf dem Weg zu Trixi versuche ich, es positiv zu sehen: vielleicht wird mir jetzt Mietbeihilfe gewährt oder wie das Zeug heißt, ja genau, das ist dann auch fällig beantragt zu werden. Als erwerbslose Alleinerzieherin. Aber da kenne ich mich nicht aus. Da muss ich mich informieren. Ich spüre, wie ich schon im Ansatz dieses Gedankens abrupt ermüde. Oder ist das an die Arbeitslosenversicherung gebunden? Das bin ich nämlich nicht: arbeitslosenversichert. Werkvertrag heißt ja bekanntlich das Zauberwort. Neue Selbständigkeit. Ich-AG.  Ich spüre den freien Fall, aber kein kein soziales Netz breitet sich unter mir aus.

Nach dem Glas Sekt bin ich benebelt, ich stolpere die Stiegen hinunter, die Tante Monika wird mich wieder schräg anschauen, wenn ich die Kleine vom Kindergarten hole.

Sie wird sich wieder an mich nesteln und mir von ihrem Tag erzählen. Ich werde ihr nicht zuhören können. Wie wenig ich für dieses Kind da sein kann. Bin wieder in mir gefangen und in dieser Scheiße, die mein Leben ist. Und kann nicht raus aus diesem Autismus. Gestern im Fernsehen etwas über Deprivation. Ein autistischer Bub, der nur in seiner eigenen Welt lebt. Sich nicht veräußerlichen kann. Die Eltern vor den Kühlschrank zerrt bei Hunger. Und sich auf den Boden schmeißt, wenn ihm etwas missfällt. Das täte ich auch gerne: mich auf die Straße schmeißen und einfach losschreien, alles herausbrüllen. Aber. Das Kind.

Du hast eine Verantwortung, sagt meine Mutter am Telefon.

Am Abend kostet es mich meine ganze Kraft, dem Kind einen Kakao zu machen, das Pyjama anzuziehen und dergleichen. Ihr Butterbrot auf dem Teller. Sie trocknet mit ihren kleinen Händen meine Tränen, ich hab dich so lieb, sagt sie zu mir.

Ich weiß, was mir so weh tut, wenn ich mit dem Kind zusammen bin: sie erinnert mich an eine längst verlorene Zeit, in der es noch keine Verluste gab, keine Ängste, keine echten Schmerzen.

Später liege ich im Bett, alleine, froh, dass der Tag aufhört, endlich schlafen können, nichts mehr spüren müssen, diesen Film abschalten, der mir so ganz und gar nicht gefällt. Wenigstens für acht Stunden.

Grete

Mindestpension
Ohne Zusatzeinkommen - mit monatlichen Euro 700 bei 450 Fixkosten - sieht das Dasein für mich so aus:

Armut ist ein ungeheurer Stressor. Fahrausweis kaufen oder schwarz fahren? Zweiteres nervt, wird aber bei nur 8 Euro “Taggeld” oft unumgänglich. Mich mit fast 60 Jahren auf Pubertätsabenteuer zurück geworfen zu sehen, ist ein zweifelhafter Spaß…. Ich besitze keine Waschmaschine mehr. Mit der Hand geht’s auch - ich hab’ eh nicht viel zu waschen… (Der Nachkauf von Haushaltsgeräten ist nicht leistbar. Der PC ist mein verbliebenes “Guckloch zur Welt“. Viren, Absturz, Servicekosten bedeuten echte Krise. Gar nicht zu denken an die absehbar „drohende“ Erforderlichkeit einer Neuanschaffung.
Meine Winterschuhe gehen in die vierte Saison. Wegen ansetzendem Hallux brauche ich gesunde, weiche, breite, teure Schuhe. Für mich eigentlich unerschwinglich.

Was mir an Kleidung gefallen würde, kann ich mir nicht leisten. Was ich mir leisten kann, gefällt mir nicht. Second hand ist auf Dauer nicht zuträglich für’s Selbstgefühl.

Elementarster Grundbedarf wie Lebensmittel hat natürlich Priorität - aber schon z.B. Pflegeprodukte fallen da nicht mehr drunter und gehen sich auch gar nicht mehr aus.

Die gesellschaftliche Teilhabe bröckelt schnell. Fast alle Arten von Treffen - Essen gehen, Kino, Bad, Ausflüge, Cafehaus - für andere ein „selbstverständliches Zwischendurch“ und ein Klacks – muss ich auf Leistbarkeit hinterfragen. Das leidige Abwägen und Rechnen wegen auch nur kleinster Beträge nimmt vielem schon von vorn herein den Charme und jede „Leichtigkeit“. Ich kann nirgendwo mithalten. Das macht mürbe. Ich entwickle Rückzugstendenzen und Mechanismen – bis hin zu Krankheitserscheinungen - um diesen Rückzug zu legitimieren. Ich realisiere, wie ich im Alltag rundum immer “gesellschaftsuntauglicher” werde. Ich spiele nicht mehr in der zuvor gewohnten - zahlungsfähigen - Liga und schramme wiederholt an depressiven Zuständen entlang.

Die Mutter meines Schwiegersohns schenkt ihm einen Gebrauchtwagen. Ich würde meiner Tochter kein Auto schenken, aber ich bin völlig außer Stande, ihr Geschenke in auch nur entfernt solcher Größenordnung machen zu können – das schmerzt. Viele Vergleiche schmerzen. Viele lassen mich allerdings auch fragen, ob diese gewinndiktierte und werteverkehrte Welt noch zu retten ist.

Mein ganzes Seelenleben erfährt eine tiefgehende Relativierung und letztlich Reduktion durch die umfassende Wahrnehmung und „Anerkennung“ der mir nun vorgegebenen Einschränkungen samt ihren Auswirkungen. Ich klammere also viel Leben aus - weniger Aktivitäten, keine Reisen, beschränkte Kontakte. Mein soziales Netz hat nur teilweise gehalten.

Anstehende Renovierungen/Anschaffungen in der Wohnung bleiben aufgeschoben. Einladungen von Gästen in meine Wohnung werden selten. Der Wunsch nach Umzug in eine grünere Gegend ist nach wie vor groß. Die Aussicht darauf ist Null. Mir ist schon die vorgeschriebene Wartung der Therme zu teuer. Auch Haushaltsversicherung habe ich keine mehr.

In meiner zunehmenden Zurückgedrängtheit hadere ich mit der eigenen „Verflachung“ durch vermehrtes Fernsehen und wachsende Trägheit und mit dem Mangel an neuen Eindrücken und lebendiger Kommunikation. Ich verkrieche mich in Texte und Bücher. Jahres-Gutschein-Geschenke fürsorglicher Verwandter machen’s möglich. (In der städtischen Bücherei ist Aktuelles nicht oft zu finden).

Für kulturelle Veranstaltungen gibt es noch immer wieder - dankenswerte - Einladungen, für die ich mich aber nicht revanchieren kann. Diese Einseitigkeit empfinde ich doch als unstimmig bis beschämend. Zum Geburtstag wünsche ich mir die Finanzierung eines Kursbesuches.

Kurzfassung: Von (m)einer Mindestpension allein kann ich nicht leben. Ich sehe aber keine realistische Perspektive / Möglichkeit zur langfristigen und damit grundlegenden Stabilisierung meiner finanziellen Situation. So hockt mir das üble Schreckgespenst Armut leider konstant im Nacken. Zur Zeit komme ich aber aufgrund eines geringfügigen Zusatzeinkommens zurecht.

Frau B.

Das Notwendigste leisten können….

Ich bin im Alter von 25 Jahren und lebe im Waldviertel Ich war länger arbeitslos und habe eine Scheidung hinter mir. Seit 1.Dezember 06 arbeite ich befristet auf ein Jahr im Verkauf und bekomme für 30 Stunden Arbeit  €.653.09 Netto . Ich brauche ein Auto um in die Arbeit zu kommen (die ja bald endet)  Ich muss die Wohnung zahlen und Betriebskosten und Versicherungen. Manchmal würde ich auch etwas für die Küche brauchen doch dafür reicht das Geld nicht. Ich würde gerne 40 Stunden arbeiten doch ich kriege keinen Arbeitsplatz die meisten Frauen kriegen nur mehr Teilzeitjobs von 15 bis 30 Stunden das ist oft das höchste. Ich muss aber von meinem Job leben können.

Kleidung kaufen ist Luxus. Das Notwendigste habe ich doch es darf absolut nichts kaputt gehen oder Autoreparaturen anfallen. In Wirklichkeit kann ich mir „ mein Leben“  nicht leisten. Ich hätte gerne den Lehrabschluss nachgeholt doch habe ich nicht das Geld für Berufschule (Internat oder Zimmer).Wenn ich die Prüfung ohne Berufschule mache muss ich die Kosten von Kursen übernehmen. Ich kann das wirklich nicht weil ich das Geld das ich verdiene zum Überleben brauche. Ich bewerbe mich dauernd irgendwo mit der Hoffnung einen 40 Stundenjob zu bekommen. Es ist wirklich sehr schwer  und ich habe mich zur Lebenskünstlerin entwickeln müssen, damit ich mich irgendwie über Wasser halten kann. Auch wollte ich mir ein Fahrrad kaufen damit ich Fahrtkosten sparen kann doch auch für ein Rad fehlt mir das nötige Geld. Ich bin froh dass ich gesund bin, sonst wäre ich ziemlich verloren.

F.K.

Ich bin jetzt 57 Jahre alt und habe bis zum Alter von 50 Jahren eigentlich immer eine Arbeitsstelle gehabt. Dann ist etwas geschehen, womit ich eigentlich nie gerechnet habe. - Ich  bekam Probleme mit der Halswirbelsäule. D.h.: Schmerzen und Verkrampfungen im  Bereich der Halswirbelsäule, was mit dauernden Kopfschmerzen einherging.

Ich musste vom Taxigeschäft zum Arbeiten aufhören weil die physikalische Therapie, die ich hin und wieder erhielt keine Verbesserung brachte. So meldete ich mich beim Arbeitsamt als arbeitslos. Natürlich wollte mich die Beraterin Taxi fahren schicken, aber ich sagte ihr: Kann ich nicht aufgrund  meiner gesundheitlichen Beschwerden. Sie schickte mich dann zum BBRZ (eine Abteilung des Arbeitsamtes wo ärztliche Untersuchungen gemacht werden) und dort stellte man fest, dass ich wegen Cervikalsyndrom und Reizdarmsyndrom nicht mehr als Taxifahrer arbeiten kann.

Soweit so gut. Jetzt war ich als arbeitslos gemeldet.

Mir wurde mitgeteilt, dass ich aufgrund meiner Angaben einen Anspruch von ca. 11,– Euro tägl. hätte. D. h. ca. 300,– Euro im Monat. Und mit diesem Geld musste ich jetzt durchkommen - das war mir klar. Die Situation mit der ich jetzt  für Jahre lebte, war irgendwie ein Wahnsinn. Ich konnte mir nur das Notwendigste leisten - sprich Essen.
Zum Glück hatte ich eine winzige Eigentumswohnung (Küche, Kabinett) und dadurch ein Dach über dem Kopf das nicht allzu teuer war. Aber ansonsten keine Ausgaben für irgendetwas. Keine neuen Kleider, keine neuen Schuhe, keine Lokalbesuche - nichts. Blankes Überleben. Ich lief das ganze Jahr mit meinen alten Kleidern und Schuhen herum. Keine Aussicht auf Arbeit, keine Aussicht auf Besserung.

Meine Situation ist zur Zeit etwas besser, weil ich vom Arbeitsamt etwas  Mehr bekomme (ca. 600,– Euro monatlich) und ich eine geringfügige Beschäftigung gefunden habe, bei der ich noch 250,– Euro monatlich dazuverdiene. Aber die Zeit von damals vergesse ich nicht so leicht. War wirklich eine  einzige Phase von Depression. Ich meine Depression hier nicht im Sinne von Krankheit, sondern als Lebensumstand wie es jeder andere auch in so einer Situation empfinden würde.

Edi

Die kleine Dunkelhaarige fragte mich nach meiner Lieblingsspeise. Die große Blonde wollte die Dauer meines Anfahrtsweges wissen. Eine Dritte, etwas pummelige, so eine mit einem ewig jungen Gesicht, wollte mit mir abklären, wie alt ich sei. Ein Spiel. Wir sollten einander kennen lernen. Uns näher kommen. Die Veranstaltung nennt sich Job-Coaching. Und im Übrigen sind wir keine Arbeitslosen, sondern Arbeitssuchende. Das klinge besser, wirke positiver. Vonwegen „halb voll“ statt „halb leer“. Sic und hick.

Ich bin selbständig. Schon seit über 20 Jahren. Im Mai wurde ich 55. Meine Profession ist die Grafik. Seit einigen Monaten beziehe ich Stütze. Ich muss unter einem gewissen Umsatzlimit bleiben. Und darf davon nicht mehr als 300 und irgendwas Euro Gewinn ausweisen. Meine Zahlen schick ich am Monatsersten dem AMS. Ohne Steuerberater, und den muss ich mir leisten, um mit dem ganzen Finanzkram klar zu kommen, wäre ich nie auf die Idee gekommen. Der lässt sich seine Dienste auch ganz gut zahlen. So hat auch er indirekt was vom AMS.

Viel kann ich mir nicht leisten um die 700 Euro. Die Büromiete macht allein 570 aus. Ich muss mindestens für 1000 Euro Jobs aufstellen, um meine Fixkosten abzudecken. Passieren darf da nichts. Ein halbes Jahr war ich ohne PC, weil ich mir keinen neuen anschaffen konnte. Kein Gerät. Keine Verdienstmöglichkeit. Ein Freund hat mir dann mit einem Gebrauchten ausgeholfen.

Und dann diese Kurse. Sie blockieren. Im Akquirieren von Jobs. Von der Ausführung der Jobs  erst gar nicht zu reden. Wenn ich wochenlang in Kursen sitze, komme ich nicht zum Arbeiten. Und wie gesagt: Dann sind die € 700 zu wenig zum Überleben. Aber Hauptsache, ich schreib meinen Lebenslauf zum 17.Mal um. Und die AMS-Statistik ist geschönt. Schon der Gedanke, wieder auf einen Kurs geschickt zu werden, lähmt mich. Geistig und neuerdings sogar körperlich. So Verspannungen im Rücken strahlen auf meine Beine aus. Das erschwert das Vorwärtskommen. Im wahrsten Sinn.

Übrigens: meine Lieblingsspeise sind Krautfleckerl, In die Stöbergasse hab ich eine ¾-Stunde gebraucht, und mein Alter hab ich ihnen ja schon verraten…

Elfriede

Die Verkaufsfläche groß wie ein Fußballfeld. Ich schlichte die Ware, alles so Bürozeugs, ins Regal, sitze an der Kassa, nehme Lieferungen entgegen. Ich war froh, diese Beschäftigung gefunden zu haben. Die Beschäftigung zwar eine geringfügige, aber mit meinem zweiten Job als Putze bei einem Steuerberater, reicht es so halbwegs, mich aus dem Gröbsten herauszuhalten. An Urlaub ist natürlich nicht zu denken, und meine Zahnlücke links oben, die werd ich wohl noch die nächsten hundert Jahre haben.

Dann dieser Samstag. Wie immer bekam die Filialleiterin das Umsatzziel samt Personalvorgabe auf den Bildschirm ihres PCs. 4000 Euro mit 1,3 Leuten. So oder so ähnlich kommen die Ansagen. Ich war für 10-14h eingeteilt. Um 12h hatten wir jedoch das Umsatzziel schon erreicht. So ein Heini hat das halbe Geschäft aufgekauft. Ich durfte gehen. Was heißt(?!): Ich musste gehen. Den Tag braucht man sich gar nicht erst einteilen. Es kommt eh immer anders. Nicht mehr die Firma muss flexibel sein, und trägt das Risiko von Umsatzschwankungen. Sondern das Personal. Naja, diesen Samstag jedenfalls. Ich hab mir im Sozialraum schon mal mein Zeugs zum Gehen bereitgelegt. Davor sollte ich aber noch einmal kurz in die Kassa, die Filial-leiterin wollte schnell etwas Futtern gehen. Kaum ist sie weg, kommen 3 so Typen rein. Der eine wollte was wissen. Ich raus aus der Kassa. Die 2 anderen hattens plötzlich eilig. Dann auch der Dritte. Er hätte sichs anders überlegt. Was soll ich Ihnen sagen: meine Sachen waren weg. Handy, Scheckkarte, fast 100 Bares.

Die Firma hat kein Ohrwaschl gerührt. Die haben mir nichts ersetzt. Der ganze Schmarrn hat mir 200 Euro gekostet. Und wo(?), wo bleibt da die Gewerkschaft? Denen ist es wurscht, wenn man in einem 100 Quadratmeter-Laden allein auf verlorenem Posten steht. Darf denn das sein?!

Hauptsache, sie setzen ihre Milliarden in den Karibiksand.

Erwin

➢ ich bin seit 5 jahren bei ams mit 23,23 euronen taeglich
> ein ueberlebenskuenstler…
> war ueber 20 jahre im ausland bei den arabern
> bau-immobilien-handels-werbekaufmann
> nun schon 59+ und trotzdem gesund…
> nach konkurs vor 10 jahren alles verloren

schreibe und will ein drehbuch und eine fernsehshow freitag nacht 23.23 uhr fuer ATV bis 2008
(aehnlich wie dame edna-australien) auf die beine stellen ich bin ein kaempfer, kann gut reden, schreiben, rechnen und englisch und werde sicher naechste woche abends-nachts fuer dein projekt was zusammen bringen gggrrriinnnsss schoenen sonn-tag

erwin.d
der trotz ohne euronen nicht aufgibt

+++++++

ja und ausserdem suche ich immer wieder personen
die auf die buehne bei barbara karlich show gehen, verschiedene themen
er oder sie bekommt 50 euro und ich bekomme 50 euro plus 2 achterln vorher
und 1 achterl nachher plus taxi hin.- und retour, immer 3 termine abends
18, 20 oder 22 uhr - kenne inzwischen aus redaktion nicole.h. sehr gut……
und ich/wir betreuen die kanditaten sehr gut……..
am 6.9. kommt meine entdeckung ein obdachloser rene aus 2.bezirk
und ich sitze hinter dem popsch von BK und am 8.10. weil die
kellnerin marianne aus cafe vienna 2.bezirk auch ueber ihre erste große
liebe vor 40 jahren spricht, und den mann nie vergessen will, er starb 6 monate
nach kennenlernen mit motorrad……

Christian

Eigentlich müsste ich gar nicht mehr zum AMS, denn verarschen kann ich mich selber auch. Durch einige Umstände gehöre ich zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen. Aber nicht offiziell, denn Langzeitarbeitslos ist mensch erst wenn 1 Jahr nach der Arbeitslosmeldung überschritten wird. Damit das nicht passiert sind eine Unmenge an Kursen, Schulungen und Zwangsmaßnahmen ins Leben gerufen worden. Die unter anderem dazu dienen Statistiken zu manipulieren. Denn siehe da, auf einmal bin ich nicht mehr Langzeitarbeitslos und als Bonus obendrauf bin ich nicht mal mehr arbeitslos. So kommt es, daß ich einen Deppenkurs nach dem anderen machen muß.

Im übrigen kosten diese Kurse eine Menge Geld. Daß wird einfach beim Fenster raus geschmissen. Einige AMS Sachbearbeiter leugnen nicht, daß es hier nur um die Statistik geht. Und es geht auch darum daß in diesen Kursen den arbeitslosen Menschen beigebracht wird auf Moral, Charakter, Courage, menschliche Werte und Rechte zu verzichten. Umgesetzt wird diese Forderung mit der Drohung ansonsten die Bezüge zu sperren. Damit das leicht durchzuführen ist gibt es die Begriffe : Vereitelt, destruktiv, nicht konstruktiv. Außerdem müßen Kursteilnehmer Verträge unterzeichnen die sittenwidrig sind, und das AMS agiert in diesem Bereich auch rechtswidrig .
Hier wird sichtbar das sich die wirtschaftorientierte Regierung/ Bartenstein für sich und das eigene Klientell ( Firmenbesitzer, Industrielle,) eine neue Arbeitnehmerschicht herandressiert. Eine,die mehr arbeitet mit weniger Lohn ohne Courage und Rechte. Denn Kritik stört das reine Profitdenken. Die Handlanger vom AMS, das den Wirtschaftsfaschismus (Postfaschismus) der Regierung umsetzt, sind die Kursanbieter und Trainerinnen. In den Zehn oder mehr Kursen die ich bis jetzt besucht habe ist mir noch nie so viel Ignoranz und Scheinheiligkeit untergekommen wie sie unter den Trainern zu finden ist. Diese haben den Auftrag, jeden arbeitslosen Menschen individuell die Schuld an der Arbeitslosigkeit zuzuweisen, oft auch trotz dem wissen das es für immer mehr Menschen keine Arbeit gibt. Tendenz steigend!!

So wird zuerst das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl gebrochen, um es dann mit Pseudopsychologie wieder aufzubauen. Es wird ohne Kompetenz tief in die Psyche des Menschen eingegriffen und daher dem Einzelnen und der Gesellschaft viel Schaden zugefügt. Ein hinweis ist, dass wegen Sparmaßnahmen nur die billigsten Kursanbieter zum Zuge kommen. Die wiederum drücken die Löhne der Trainerinnen. Somit ist es gar nicht möglich Fachpersonal mit guter Ausbildung einzustellen. Wozu auch. Es geht ja nur darum jede Arbeit anzunehmen, egal welche Tätigkeit, egal wie weit entfernt, egal wie niedrig die Bezahlung, und es soll jedem in den Kursen beigebracht werden, nicht mehr das zu sagen was er denkt und nicht mehr so zu handeln wie er es für richtig hält.

“Druckmittel” die Sperre der Bezüge. Also zu was braucht es Fachkräfte? Konfrontiert man AMS-Sachbearbeiter und Trainerinnen mit dieser Sachlage, geben sie als Entschuldigung an: “Ja stimmt, aber wir können nichts dafür, wir müssen das umsetzen!”

NEIN das lasse ich nicht mehr zu, das haben wir im dritten Reich schon gehabt. Zuerst mitmachen und danach nichts gewußt haben. Also nichts gelernt daraus. -MITVERANTWORTUNG-. Ich habe mittlerweile viele Menschen getroffen, die durch das AMS und deren Kurse, psychisch stark erkranken. Ich werde dafür sorgen, daß die Öffentlichkeit davon erfährt!

Anna II

Der kleine Prinz

Mein Platz auf diesem Planeten? Tja, der wurde mir reserviert – ein ganz besonderer Platz. Vorbestimmt. Jedoch nicht von mir. So wie werdende Eltern mehr oder weniger liebevoll die ausgesuchten Strampelhöschen ihres Neuankömmlings erwartungsvoll zurechtlegen, so war mir immer mein Platz vorbehalten.

Danach folgten lange Jahre des Gehorsams, des Fleißes, des Funktionierens, in denen ich in großer Dankbarkeit und mit allem Einsatz für diese Gesellschaft diente. Auch diese Jahre der Anpassung waren für mich vorbestimmt. Ich diente nicht nur – nein, ich verdiente – und das mehr als gut. Aber irgendwie schien ich nicht so recht zu funktionieren. Sie hatten mich nicht alle lieb und das machte mich manchmal traurig. Ja, und hatten sie mich lieb, so machte es mich wiederum oft zornig und einsam. Irgendetwas stimmte nicht – etwa mit mir nicht?

Doch dann erwachte ich aus diesem Dornröschenschlaf der Unkritik. Ich wurde wach geküsst von Globalisierung, Marktwirtschaft, Kapitalismus, Arbeitslosigkeit und Notstands“hilfe“. Wo war der Prinz? Irgendjemand schrie: „Geht’s der Wirtschaft gut – geht’s uns allen gut!“

So gerne hätte ich mir meine Wunden geleckt, in meiner Trauer, dass diese Gesellschaft der Kapitalkönige mir keinen Prinzen geschickt hatte, der mich sanft küssend aus meiner Dumpfheit befreit, statt dessen erwartete mich ihr gesandter Prinz mit dem Fratzengesicht eines menschenverachtenden Kapitalismus.

Immer wieder dröhnt es in meinen Ohren: Globalisierung! Expandieren – ins Ausland – billigere Arbeitskräfte – weniger Lohnkosten – maximale Gewinne! Kein Platz für mich? Aber ich störe doch kaum, weniger als eine lästige Fliege, bei mir erspart man sich sogar die Mühe mich zu fangen. Nein, ich bin nicht lästig, ich existiere nicht. Ich nicht – sie alle nicht, wir, diese existenzlosen Geschöpfe. Nicht existierende Opfer des Kapitalismus. Ausgelagert – als bestenfalls freie Dienstnehmer, Teilzeitbeschäftigte, oder mit noch mehr Globalisierungspech Erwerbsarbeitslose – stigmatisierte Langzeitarbeitslose – wir Stiefkinder des AMS und der Politik, aber immerhin aufgestiegen zum Rang der – zumindest - lästigen Fliege? Klatsch!
Nein, eher ein Virus namens Arbeitslosigkeit – ein Virus dieser Gesellschaft, das sich immer stärker ausbreitet. Gibt es eine Chance zur Veränderung? Und vor allem – was ist nun mein Platz auf diesem Planeten?

Nun, jetzt erst wird mir bewusst, wer ich wirklich bin. Ein kleiner Prinz – ohne Kapital. Ein kleiner Prinz der Solidarität, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, all diese Unwissenden, zur Dumpfheit erzogenen wach zu küssen, so dass sie wie ich gegen den Strom des Kapitalismus schwimmen, um an die Quelle der Menschlichkeit zu gelangen.

Anna I

Schon als Kind wollte ich etwas besonderes sein. Mit 12 Jahren – in einer labilen Phase meines Lebens - machte ich einen Schulwechsel, und kam von einer netten Klasse einer privaten Mädchenschule in die Klasse eines Bundes-Gymnasiums mit einer schlechten Gemeinschaft. Im einzelnen waren alle o.k., in Summe aber gab es ungute Schwingungen und ich zog mich in mein eigenes Schneckenhaus zurück. Den Schulwechsel vollzog ich, weil ich etwas besonderes sein wollte, von meinen älteren Geschwistern bestärkt, dass ich gescheit genug sei für das BG, wohingegen in der
Privatschule alle Mädchen nur durchgeschleust würden und einen Dachschaden bekämen.

In den sechs Jahren meines bundesgymnasialen Schneckenhaus-Daseins hatte ich Gelegenheit dazu, meine Tendenzen zur Besonderheit im stillen zu pflegen. Ich hatte künstlerische Abitionen - allerdings nicht befreiender Art, sondern geprägt von Präzision und Naturalismus, war vielseitig interessiert und begabt mit den Schwer-punkten auf Sprachen, Naturwissenschaft, Kunst, Musik und Bewegung. Und je näher der Schulabschluss rückte und eine Berufsentscheidung gefragt war, desto wankel-mütiger wurde ich. Wechselte mein Berufswunsch im Kindesalter noch in mehr-jährigen Intervallen, so beschleunigte sich das zunehmend. Bis zu meinem 17. Lebensjahr in jährlichen, im letzten Schuljahr in monatlichen, nach der Matura in wöchentlichen, im Sommer schon in täglichen und bis zum Zeitpunkt der Inskription an der Uni in Wien in stündlichen, minütlichen und letztlich sekündlichen Intervallen, sodaß ich mir den Kopf zermarterte, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Oder nach einem Popsong von Ideal: Meine Gedanken liefen Amok. Nur dass ich in Wien studieren wollte, war für mich klar.

Medizin hätte mich interessiert, wollte ich aber nicht beginnen, weil mein Bruder bereits einige Jahre und mein erster Ex-Freund gerade im 2. Jahr Medizin studierte. Das Medzinstudium war damit für mich des Nimbus der Besonderheit beraubt und nicht für mich tauglich.

Von der Kunstuni abgelehnt, schwappte ich schließlich eines schönen Herbsttages, mit einer Ladung Menschen aus dem Bus 40A ins Hauptgebäude der BOKU, überflog den Studienführer und befand ein Studium für vielseitig genug, um alle meine Interessen in irgendeiner Form abzudecken: Landschaftsökologie - noch im Versuchsstadium. Dieses Studium begann ich, und sollte es 10 Jahre später auch - in seiner regulär eingeführten Form, der Landschaftsplanung - abschließen, ohne große Begeisterung aber doch mit leidlichem Interesse, geprägt durch meinen Vater, einen passionierten Hobbygärtner und Privatgelehrten der Naturwissenschaft, der mir Zeit meiner Kindheit wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Daneben begann ich mich ein Jahr nach Studienbeginn intensivst mit zeitgenössi-schem Tanz zu beschäftigen, mit großer Passion und Hingabe, und durchaus einigem Kostenaufwand. Ich übte mich bereits in dieser Zeit im prekären Überleben. Ich hatte in meinen zwanzigern nie Ziele vor mir ausser dem, besonders zu sein und meine Interessen nach Möglichkeit auszuleben. Ein sicherer Job, der viel Geld bringt, oder gar die Pension der späteren Jahre waren für mich kein Thema.

“Persönlich Betroffen” - die Testimonials

Wir haben für die Ausstellung “Persönlich betroffen” viele Interviews mit Menschen in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen geführt. Einige dieser Gespräche werden hier - in anonymer Form - veröffentlicht.

Die Geschichten:
Anna I
Anna II
Christian
Edi
Erwin
Elfriede
F.K.
Frau B.
Grete
Hanna
Marianne
Mehrdad
Paul Felder - Arbeitslager
Paul Felder - Sozialschmarotzer

Peter
Reinhard
Verena
Schreiber

Impressum

Kontakt: office@reportagenmanufaktur.com
Verein Reportagenmanufaktur
Zirkusgasse 3/5/R1
A-1020 Wien

Zahlen und Fakten zum Thema Prekariat

Zwölf Prozent aller Erwerbsfähigen in Österreich, also etwa 500.000 Personen, gelten als prekär beschäftigt, mehr als die Hälfte davon sind Frauen. Menschen mit Migrationshintergrund sind mit 15% verstärkt von prekärer Beschäftigung betroffen.

Als prekär gelten unregelmässige Beschäftigung, Teilzeitbeschäftigung mit weniger als 12 Wochenstunden und ein Bruttoeinkommen unter 1000 EUR/Monat (= 818 EUR netto), womit derzeit etwa ein Fünftel aller Beschäftigten in Österreich auskommen muss. Unregelmässige Beschäftigung ist typisch für freien Dienstverträge, Werkverträge, Leiharbeit und befristete Beschäftigungsverhältnisse. Mit Ausnahme von Leiharbeit ist unregelmässige Beschäftigung relativ gleichmässig auf die Geschlechter verteilt. Ganz anders bei Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung, die nicht nur den Löwenanteil an prekären Beschäftigungsverhältnissen ausmacht, sondern mit gut 80% fast ausschliesslich Frauen trifft.

Prekäre Beschäftigungverhältnisse nehmen in Österreich deutlich zu: während die Gesamtzahl der unselbständig Beschäftigten von 2005 auf 2006 um 1,6% gestiegen ist, sind diese zwischen 5% (neue Selbständige, geringfügig Beschäftigte) und 21% (Leiharbeit) gestiegen, bei Frauen stärker als bei Männern. Als junges Phänomen kommt nun auch die „Generation Praktikum“ hinzu, wo tausende junge HochschulabsolventInnen in prekären Verhältnissen wertvolle Arbeit verrichten.

Nicht alle prekär Beschäftigten sind auch arm, aber die Armutsgefährdungsquote unter prekär Beschäftigen ist mit 18% deutlich höher als bei der Gesamtbevölkerung, die zu 12,8 % (= 1.030.000 Personen) armutsgefährdet ist. Am stärksten betroffen sind auch hier MigrantInnen, deren Armutsrisiko doppelt so hoch ist, wie jenes von prekär beschäftigten ÖsterreicherInnen.

Prekär beschäftigt zu sein, heisst keine Lebensplanung machen, keine Perspektive entwickeln zu können – für manche ein Leben lang. Prekär beschäftigt zu sein, heisst, in grosser Unsicherheit zu leben, Angst zu haben. Ist das die Gesellschaft, die wir anstreben?
Prekäres Leben im Prekariat-Bild
Klaudia Paiha
Bundessprecherin der Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen (AUGE/UG)

paiha@ug-oegb.at
10hoch - Prekariat - prekäres Leben

Vorwort

Das Wort “prekär” ist in aller Munde. Nicht zufällig, denn immer mehr Menschen müssen sich ihr Geld in schlecht bis gar nicht abgesicherten, eben prekären Erwerbsverhältnissen verdienen. Und damit wird es “prekär” für das Wort “prekär”…

Prekäre Arbeitsverhältnisse definieren sich über das “Anderssein” zu “Normalarbeitsverhältnisse”; wenn Erstere zunehmen, nehmen konsequenterweise Zweitere ab; so lange, bis sich die Frage stellt, was
eigentlich ein Normalarbeitsverhältnis ist: Von knapp 1,8 Millionen unselbständig erwerbstätigen Frauen arbeiten 715.000 in Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen, 172.000 in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen und 13.000 als freie DienstnehmerInnen. Zusammen also 50%…

Diese ungeheure Umwälzung in der Arbeitswelt verändert die Gesellschaft: geringe soziale Absicherung verlängert Ausbildungszeiten, wechselnde Freizeiten behindern soziale Kontakte, häufige wechselnde Auftragslagen verhindern die Planbarkeit des Lebens und zunehmende Zahlen von Scheinselbständigen nagen am sozialen Sicherungssystem, dem auf diese Weise die Beitragsgrundlage wegbricht.

Geht es uns wirklich gut, wenn es der Wirtschaft gut geht? Oder geht es vielmehr nicht vielleicht der Wirtschaft gut, weil sie sich keinen Deut mehr um soziale Sicherheit, um das Leben der Menschen oder meinetwegen um die Reproduktion der human resources — schreckliche Worthülse - zu kümmern braucht?

Und genau diesen Fragen spürt diese Ausstellung in einer künstlerischen Annäherung nach…
prekär - Prekariat - Ausstellung
Karl Öllinger
Stv. Klubobmann und Sozialsprecher der Grünen Österreich
prekariat - prekäres Leben - Ausstellung

Armutsgefährdung in Österreich

Armutsgefährdung und Armut in Österreich
Die Kommission der Europäischen Union hat es sich mit der Lissabon-Strategie zum Ziel gesetzt mittels einer Weiterentwicklung der europäischen Beschäftigungs- und Sozialpolitik und vor allem über den Faktor Wirtschaftswachstum soziale Ausgrenzung zu bekämpfen. Doch wie relevant sind Begriffe wie soziale Ausgrenzung und Armut in einer reichen Gesellschaft wie Österreich überhaupt? Und falls es so etwas bei uns gibt, wer sind die von Armut Betroffenen? - Dieser Kurzbeitrag versucht, diese Frage mit Hilfe einiger aktueller Zahlen zu beantworten.

Armutsbegriffe und Ausmaß der Betroffenheit
Absolute Armutslagen, wie Unterernährung, greifen als Armutskonzept in den reichen Gesellschaften der westlichen Welt zu kurz. Es hat sich eine relative Sicht der Armut in Europa durchgesetzt. Dabei erfolgt eine Orientierung am aktuellen mittleren Wohlstandsniveau einer Gesellschaft.
In den letzten Jahren wurden auf EU-Ebene methodische Standards für die nationale und EU-Berichterstattung zur Erfassung von Armut etabliert. Zentraler Armutsindikator ist dabei das jährliche Haushaltseinkommen - das Einkommen aller Personen im Haushalt bezogen auf das letzte Kalenderjahr. Um die Vergleichbarkeit verschieden großer Haushalte herzustellen, wird ein gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen (sog. Äquivalenzeinkommen) errechnet. Im Bewusstsein, dass Armut mit diesem Konzept nur indirekt erfasst werden kann, wird von Armutsgefährdung gesprochen. Für eine EU-weite und vergleichbare Berichterstattung zu Armutsgefährdung wurde in der politischen Diskussion 60% des Medians des gewichteten Jahreseinkommens (Äquivalenzeinkommens) als kritischer Wert festgelegt.
Für 2005 liegt das mittlere gewichtete Pro-Kopf-Einkommen in Österreich bei knapp 18.000 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug 2005 somit 10.800 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das sind rund 900 Euro pro Monat. 2005 waren 12,3% der Bevölkerung armutsgefährdet, rund eine Million Österreicherinnen und Österreicher müssen als armutsgefährdet bezeichnet werden.

Armut ist jedoch mehr als niedriges Einkommen, es sind die mangelnden Möglichkeiten, die gesellschaftliche Teilhabe verhindern und deprivierte Lebenslagen verfestigen. Aktuell muss man bei 5% der Bevölkerung in Österreich manifeste Armut annehmen, das sind rund 420.000 Personen - davon rund 100.000 Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren. Bei ihnen verfestigt sich somit das niedrige Einkommen auch in einer sichtbar prekären Lebenssituation, Merkmale dafür sind beispielsweise: akute Zahlungsrückstände, Leben in einer Substandardwohnung, Verzicht auf grundlegende Bedürfnisse und Konsumgüter, die in unserer Gesellschaft als „Norm“ anerkannt sind, zum Beispiel die Wohnung ausreichend zu heizen oder ein Mal pro Jahr einen Urlaub zu machen.
Entstehungszusammenhänge des Armutsrisikos

Wer sind die betroffenen Bevölkerungsgruppen bzw. wie können Armutslagen entstehen?

Zentrale Sicherungsinstanzen für soziale Teilhabe sind Erwerbsarbeit, Familie bzw. Haushaltsstruktur und Sozialstaat. Sowohl der Grad der Einbindung in den Arbeitsmarkt als auch die Zusammensetzung der Haushalte bestimmen die ökonomische Situation von Haushalten grundlegend. Wie staatliche Leistungen verteilt sind, nimmt ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die Lebenschancen.
Die Schlüsselrolle der Erwerbsarbeit bei der Vermeidung von Armut wird anhand des Armutsrisikos nach Haupttätigkeit deutlich. Bei Erwerbstätigen bleibt die Armutsgefährdung mit 7% deutlich unter dem Wert für die Gesamtbevölkerung. Alle nicht im Erwerbsleben stehenden Personen mit Ausnahme der Pensionistinnen und Pensionistenen tragen ein überdurchschnittliches Armutsrisiko:

Hausfrauen/-männer sind mit 21%, Personen in Ausbildung mit 25% und Arbeitslose zu einem Drittel von Armutsgefährdung betroffen (33%). Dennoch, von allen Armutsgefährdeten im Erwerbsalter sind fast die Hälfte (45%) auch erwerbstätig. Von den knapp 3,5 Millionen Erwerbstätigen im Erwerbsalter sind rund 249.000 (=7%) armutsgefährdet und müssen damit als working poor bezeichnet werden.
Ausschlaggebend für die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und die Möglichkeiten, eine gute berufliche Position zu erlangen, ist vor allem die Qualifikation. Neben einem höheren Risiko, gar keinen Job zu finden, haben Personen mit maximal Pflichtschulabschluss, auch wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ein höheres Armutsrisiko. Der Anteil der Personen, die Hilfsarbeiten verrichten, an den Erwerbstätigen insgesamt macht 19% aus, aber über ein Drittel (36%) an den Armutsgefährdeten. Ein weiterer Faktor, der die beruflichen Chancen und somit das Einkommen bestimmt, ist die Herkunft. 62% der erwerbstätigen AusländerInnen verrichten Hilfsarbeiten, bei den in Österreich geborenen Erwerbstätigen sind es nur 15%. In höher qualifizierten Jobs sind Ausländerinnen und Ausländer praktisch kaum vertreten. Zwar wird ein Teil der Benachteiligung von nicht-österreichischen Bürgerinnen und Bürgern auf dem Arbeitsmarkt durch geringere Ausbildungsniveaus erklärt, die Gründe für ihre mangelhafte Integration in den Arbeitsmarkt sind jedoch vermutlich vielfältiger.

Nach wie vor sind die meisten Familien nach dem Prinzip des Mannes als Hauptverdiener organisiert. Angesichts einer generell sehr hohen Erwerbsbeteiligung der Männer im Erwerbsalter (80%), wobei nahezu alle erwerbstätigen Männer einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen (die Teilzeitquote beträgt ca. 5%), ist die Variation der Erwerbsintensität im Haushalt sehr stark von der Teilnahme der Frauen am Erwerbsleben abhängig. Knapp zwei Drittel der Frauen im Erwerbsalter gehen einer Erwerbstätigkeit nach, davon ist über ein Drittel teilzeitbeschäftigt. Betreuungspflichten als Haupthinderungsgrund für die Aufnahme einer (Vollzeit-)Erwerbstätigkeit sind mit Alter und Zahl der Kinder erklärbar. Mit dem Kindergarteneintritt des jüngsten Kindes steigt die weibliche Erwerbsbeteiligung auf rund 70% an, jedoch erst im Schulalter der Kinder überwiegt die Vollzeitbeschäftigung bei den Frauen. Das Ausmaß der Armutsgefährdung hängt somit in hohem Maße von der Zusammensetzung der Haushalte ab und davon, ob von der Frau ein (zusätzliches) Einkommen erwirtschaftet wird. Bei Familien mit drei und mehr Kindern und bei Familien mit kleinen Kindern zeigt sich ein erhöhtes Armutsrisiko, besonders dann, wenn die Frau nicht erwerbstätig ist.

Zu den Jahr für Jahr als eine der am stärksten von Armut betroffenen Gruppen zählen auch Ein-Eltern-Familien (hauptsächlich alleinerziehende Frauen) und Singles (vorwiegend Pensionistinnen).
Ergänzend zum Erwerbseinkommen oder als Einkommensersatz im Fall von Pensionierung, Erwerbsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit sieht das österreichische Sozialsystem eine Reihe von Leistungen vor, die zwar nicht als direkte Maßnahmen der Armutsbekämpfung konzipiert sind , jedoch vielfach einen wichtigen Bestandteil des Gesamthaushaltseinkommen, gerade bei Niedrigeinkommenshaushalten, darstellen. Sozialleistungen übernehmen somit indirekt eine Funktion in der Verringerung von Armutsrisken und zum Erhalt eines gewissen Lebensstandards. Ohne Sozialleistungen und Pensionen wären statt 12% der Bevölkerung 43% armutsgefährdet.
Zum Abschluss: Ein paar kritische Anmerkungen zum Konzept

Die Festlegung auf 60% des Medians des Äquivalenzeinkommens als Armutsgefährdungsschwelle ist eine normative Entscheidung zur Erfassung von niedrigem Einkommen. Sie kann aber nicht als absolutes Maß für Armut oder als empirischer Richtwert zur notwendigen Mindestsicherung in einer Gesellschaft herangezogen werden und entspricht nicht unbedingt dem tatsächlichen Wert, den Menschen als notwendige Ressourcen erachten, um grundlegende Bedürfnisse abzudecken.
Die derzeitige Armutsgefährdungsquote ist von der Preisentwicklung unabhängig. Besonders die Teuerung von Gütern, die einen großen Anteil im Budget einkommensschwacher Haushalte besitzen (z.B. Miet- und Heizkosten), kann zu einer effektiven Verschlechterung der Lage führen, bleibt aber von der herkömmlichen Messung unbemerkt. Aber auch steigende Ungleichheit kann in dieser Maßzahl unbemerkt bleiben: Steigende Spitzeneinkommen bei gleichzeitigem Sinken der unteren Einkommen wirken sich auf die Armutsgefährdung überhaupt nicht aus.

Zur Einordnung der vorliegenden Zahlen darf außerdem nicht unerwähnt bleiben, dass sie sich ausnahmslos auf die Befragung EU-SILC stützen, die Einkommen in Privathaushalten in Österreich erhebt. Personen in Heimen und anderen Anstaltshaushalten sowie wohnungslose Menschen sind in dieser Erhebung nicht enthalten. Schwer erreichbare Gruppen wie Migrantinnen und Migranten aber auch Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger sind in Erhebungen meist untererfasst. Deren Armutsrisiko ist demnach hier nicht oder nur unzureichend einbezogen.

Dennoch: trotz dieser methodischen Einschränkungen belegen die Zahlen Jahr für Jahr, dass Armut in Österreich existent ist. Das Risiko in Armut zu geraten ist für einige Personengruppen erhöht – Arbeitslose, schlecht qualifizierte Personen, ausländische Bürgerinnen und Bürger, Alleinerziehende, Singles – während andere – wie Familien mit ausreichend Erwerbseinbindung – relativ gut abgesichert leben können.

Nadja Lamei, Statistik Austria
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Herzlichen Dank!

Wir bedanken uns bei allen Personen und Organisationen, die unser Projekt untzerstützt haben, für ihre Hilfe. Insbesondere bei der Besitzerin des Berliner Yogastudios “Yoga-Berlin” S. B. Rahal. S.B. Rahal arbeitet - neben ihrer langjährigen Tätigkeit als Yogalehrerin* in Berlin - auch bei einzelnen sozialen Projekten in Indien und Europa mit. Im Zuge dieses Engagements hat sie sich in Deutschland immer wieder um das Thema Prekariat und prekäre Lebensverhältnisse gekümmert.

*Um genau zu sein: S.B. Rahal bietet in Ihrem Yogastudio traditionelles, authentisches Hatha-Yoga nach BKS Iyengar an und ist vom Verband der Iyenga-Yoga-Lehrer Deutschlands zertifiziert.
Prekariat-prekäres Leben!
Ausstellung - Prekariat - prekäres