Mit 31 jahren bin ich in kranken-pension „geschickt“ worden, freilich erst mit einem jahr verspäteter zuerkennung… jahrelang fristete ich die psychotisch turbulente zeit mit notstandshilfe, pensionsbevorschusssung und sozialhilfe, immer wieder bürokratische würden und am ende des prozesses immer eine neue übergangssituaton – futter für meine angstzustände. Auf grund psychischer instabilitäten „bin ich in der bewältigung meines alltages eingeschränkt“, wie das eine psychotherapeutin mal so schön formulierte. Erst im 6. jahr der pension gewährte die pva mir eine „unbefristete“ kranken-pension, im originallaut: „befristet auf die dauer der berufsunfähigkeit“ und mit kontrollen „in angemessenen zeitabständen“. Bis heuer hatte ich die pension immer auf ein oder zwei jahre befristet – schon monate vor so einer „begutachtung“ frassen sich die angstzustände in dieses thema rein. Nie weiss ich, was danach steht: selbst, sollte ich es schaffen, einen lebenssichernden job zu ergattern, die wahrscheinlichkeit schon wenige monate später überfordert im spital zu liegen, lähmt solche überlegungen und ich fiebere, dass ich meine wohnung nicht verlier. Ich habe auch „gute“ tage und der/die begutachtende mediziner/in könnte einen völlig falschen eindruck von mir gewinnen; ich habe auch gehört, dass es eine gewisse quote an bewilligungen gibt: was wenn zufällig dieses monat so viele schwere fälle sind, dass mein fall nicht mehr relevant ist?
Schon die tatsache, dass ich keine mindestpension, sondern eine durchschnittliche frauenpension von nicht ganz 800 netto bekomme, war das glück eines gar nicht so langen beschäftigungsverhältnisses mit guten sozialen bedingungen. Wäre meine krankheit so richtig ausgebrochen bevor ich im österreichischen sozialsystem integriert gewesen wäre, nicht auszudenken… sozialhilfe ist keine dauerleistung und ausser den fehlenden 13. und 14. zahlungen auch 200 € weniger monatlich. 200 € bleiben mir monatlich für essen und vergnügen, wenn ich 13. und 14. für kosmetika und haushalt und immer wiederkehrende sonderzahlungen brav bunker. Also könnte ich dann nicht so wohnen – auf fast 60 m² am gürtel. Meine wohnung ist, was ich mir „leiste“. Ein zuhause, dass genug fläche bietet, auch kranke wochen auf kleinem raum zu überstehen und sich wiederfinden zu können, wenn der stress draussen mich zur strecke bringt.
Ohne meinen freundeskreis wär das nicht möglich. Wenn es knapp wird, laden sie mich auf essen und menschlichen umgang ein. Es war auch nicht einfach, von einem überdurchschnittlichem gehalt auf ein leistungsniveau zu finden, dass der armutsgrenze entspricht. Ich habe noch lange nicht aufgegeben, wieder einmal arbeiten zu können, ich bin erst 37und könnte noch ein paar jahrzehnte „einarbeiten“, meine pension abarbeiten. Aber wer wartet in dieser re/produktionswelt auf eine „wiedereinsteigerin“ mit 40? das schliesst sich dann berufsmäßig der kreis. Wenn ich mal so weit bin, möchte ich dass es statt jeder menge zuverdienstjobs lebensunterhaltssichernde beschäftigungen gibt, auch für leute mit einem besonderem lebenslauf. Es ist für das selbstwertgefühl nicht so einfach, als behindert zu gelten, auch wenn es nur 52,8% prozent sind!