Prekariat - Informationen rund um das prekäre Leben

Peter

Ab einem gewissen Alter ist man ohne abgeschlossene Berufsausbildung am Arbeitsmarkt chancenlos. Die Frühpension aufgrund langer Arbeitslosigkeit gibt es nicht mehr. Für den Arbeitsmarkt bin ich zu alt. Mein jetziges Einkommen: 500 Euro Notstandshilfe bzw. Pensionsbevorschussung +78 Euro Sozialhilfe 12 x pro Jahr. Das Geld fehlt mir hinten und vorne, daher komme ich immer wieder mit der Miete in Rückstand.

Die Wohnung selbst ist in einem ziemlich desolaten Zustand, die Fenster und Türen sind undicht, der Ofen heizt von Jahr zu Jahr schwächer. Sämtliche Installationen stammen aus dem Jahr 1979, die Dusche funktioniert nicht mehr, obwohl 2004 ein Installateur den Abfluss gereinigt hat.

Mir fehlt es praktisch an allem. Kleidung, Bettzeug, Vorhänge, Schuhe, Unterwäsche. Mit der Dauer wird der ausschliessliche Bezug solcher Dinge durch Geschenke oder Erwerb in Second-Hand-Shops entwürdigend. Kino? Bücher? Theater? Purer Luxus.

Seit zwei Jahren könnte es mir finanziell sehr viel besser gehen. Aber mit der letzten Pensionsreform werden mir ständig kurz vor Erreichen der Frühpension die Türen vor der Nase zugeschlagen. Es ist ein Hohn!
GutachterInnen im Auftrag der PVA erhalten 260 Euro für eine Untersuchung, die keine 20 Minuten dauert, das ist in etwa die Hälfte, die mir in einem Monat zur Verfügung steht. Das führt auf Dauer zu Frust, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Wut, und immer wieder zu Rückfällen in Depressionen. Ein bisschen komme ich mir wie eine Ratte in einem Versuchslabor vor.