Prekariat - Informationen rund um das prekäre Leben

F.K.

Ich bin jetzt 57 Jahre alt und habe bis zum Alter von 50 Jahren eigentlich immer eine Arbeitsstelle gehabt. Dann ist etwas geschehen, womit ich eigentlich nie gerechnet habe. - Ich  bekam Probleme mit der Halswirbelsäule. D.h.: Schmerzen und Verkrampfungen im  Bereich der Halswirbelsäule, was mit dauernden Kopfschmerzen einherging.

Ich musste vom Taxigeschäft zum Arbeiten aufhören weil die physikalische Therapie, die ich hin und wieder erhielt keine Verbesserung brachte. So meldete ich mich beim Arbeitsamt als arbeitslos. Natürlich wollte mich die Beraterin Taxi fahren schicken, aber ich sagte ihr: Kann ich nicht aufgrund  meiner gesundheitlichen Beschwerden. Sie schickte mich dann zum BBRZ (eine Abteilung des Arbeitsamtes wo ärztliche Untersuchungen gemacht werden) und dort stellte man fest, dass ich wegen Cervikalsyndrom und Reizdarmsyndrom nicht mehr als Taxifahrer arbeiten kann.

Soweit so gut. Jetzt war ich als arbeitslos gemeldet.

Mir wurde mitgeteilt, dass ich aufgrund meiner Angaben einen Anspruch von ca. 11,– Euro tägl. hätte. D. h. ca. 300,– Euro im Monat. Und mit diesem Geld musste ich jetzt durchkommen - das war mir klar. Die Situation mit der ich jetzt  für Jahre lebte, war irgendwie ein Wahnsinn. Ich konnte mir nur das Notwendigste leisten - sprich Essen.
Zum Glück hatte ich eine winzige Eigentumswohnung (Küche, Kabinett) und dadurch ein Dach über dem Kopf das nicht allzu teuer war. Aber ansonsten keine Ausgaben für irgendetwas. Keine neuen Kleider, keine neuen Schuhe, keine Lokalbesuche - nichts. Blankes Überleben. Ich lief das ganze Jahr mit meinen alten Kleidern und Schuhen herum. Keine Aussicht auf Arbeit, keine Aussicht auf Besserung.

Meine Situation ist zur Zeit etwas besser, weil ich vom Arbeitsamt etwas  Mehr bekomme (ca. 600,– Euro monatlich) und ich eine geringfügige Beschäftigung gefunden habe, bei der ich noch 250,– Euro monatlich dazuverdiene. Aber die Zeit von damals vergesse ich nicht so leicht. War wirklich eine  einzige Phase von Depression. Ich meine Depression hier nicht im Sinne von Krankheit, sondern als Lebensumstand wie es jeder andere auch in so einer Situation empfinden würde.