Prekariat - Informationen rund um das prekäre Leben

Elfriede

Die Verkaufsfläche groß wie ein Fußballfeld. Ich schlichte die Ware, alles so Bürozeugs, ins Regal, sitze an der Kassa, nehme Lieferungen entgegen. Ich war froh, diese Beschäftigung gefunden zu haben. Die Beschäftigung zwar eine geringfügige, aber mit meinem zweiten Job als Putze bei einem Steuerberater, reicht es so halbwegs, mich aus dem Gröbsten herauszuhalten. An Urlaub ist natürlich nicht zu denken, und meine Zahnlücke links oben, die werd ich wohl noch die nächsten hundert Jahre haben.

Dann dieser Samstag. Wie immer bekam die Filialleiterin das Umsatzziel samt Personalvorgabe auf den Bildschirm ihres PCs. 4000 Euro mit 1,3 Leuten. So oder so ähnlich kommen die Ansagen. Ich war für 10-14h eingeteilt. Um 12h hatten wir jedoch das Umsatzziel schon erreicht. So ein Heini hat das halbe Geschäft aufgekauft. Ich durfte gehen. Was heißt(?!): Ich musste gehen. Den Tag braucht man sich gar nicht erst einteilen. Es kommt eh immer anders. Nicht mehr die Firma muss flexibel sein, und trägt das Risiko von Umsatzschwankungen. Sondern das Personal. Naja, diesen Samstag jedenfalls. Ich hab mir im Sozialraum schon mal mein Zeugs zum Gehen bereitgelegt. Davor sollte ich aber noch einmal kurz in die Kassa, die Filial-leiterin wollte schnell etwas Futtern gehen. Kaum ist sie weg, kommen 3 so Typen rein. Der eine wollte was wissen. Ich raus aus der Kassa. Die 2 anderen hattens plötzlich eilig. Dann auch der Dritte. Er hätte sichs anders überlegt. Was soll ich Ihnen sagen: meine Sachen waren weg. Handy, Scheckkarte, fast 100 Bares.

Die Firma hat kein Ohrwaschl gerührt. Die haben mir nichts ersetzt. Der ganze Schmarrn hat mir 200 Euro gekostet. Und wo(?), wo bleibt da die Gewerkschaft? Denen ist es wurscht, wenn man in einem 100 Quadratmeter-Laden allein auf verlorenem Posten steht. Darf denn das sein?!

Hauptsache, sie setzen ihre Milliarden in den Karibiksand.