Schon als Kind wollte ich etwas besonderes sein. Mit 12 Jahren – in einer labilen Phase meines Lebens - machte ich einen Schulwechsel, und kam von einer netten Klasse einer privaten Mädchenschule in die Klasse eines Bundes-Gymnasiums mit einer schlechten Gemeinschaft. Im einzelnen waren alle o.k., in Summe aber gab es ungute Schwingungen und ich zog mich in mein eigenes Schneckenhaus zurück. Den Schulwechsel vollzog ich, weil ich etwas besonderes sein wollte, von meinen älteren Geschwistern bestärkt, dass ich gescheit genug sei für das BG, wohingegen in der
Privatschule alle Mädchen nur durchgeschleust würden und einen Dachschaden bekämen.
In den sechs Jahren meines bundesgymnasialen Schneckenhaus-Daseins hatte ich Gelegenheit dazu, meine Tendenzen zur Besonderheit im stillen zu pflegen. Ich hatte künstlerische Abitionen - allerdings nicht befreiender Art, sondern geprägt von Präzision und Naturalismus, war vielseitig interessiert und begabt mit den Schwer-punkten auf Sprachen, Naturwissenschaft, Kunst, Musik und Bewegung. Und je näher der Schulabschluss rückte und eine Berufsentscheidung gefragt war, desto wankel-mütiger wurde ich. Wechselte mein Berufswunsch im Kindesalter noch in mehr-jährigen Intervallen, so beschleunigte sich das zunehmend. Bis zu meinem 17. Lebensjahr in jährlichen, im letzten Schuljahr in monatlichen, nach der Matura in wöchentlichen, im Sommer schon in täglichen und bis zum Zeitpunkt der Inskription an der Uni in Wien in stündlichen, minütlichen und letztlich sekündlichen Intervallen, sodaß ich mir den Kopf zermarterte, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Oder nach einem Popsong von Ideal: Meine Gedanken liefen Amok. Nur dass ich in Wien studieren wollte, war für mich klar.
Medizin hätte mich interessiert, wollte ich aber nicht beginnen, weil mein Bruder bereits einige Jahre und mein erster Ex-Freund gerade im 2. Jahr Medizin studierte. Das Medzinstudium war damit für mich des Nimbus der Besonderheit beraubt und nicht für mich tauglich.
Von der Kunstuni abgelehnt, schwappte ich schließlich eines schönen Herbsttages, mit einer Ladung Menschen aus dem Bus 40A ins Hauptgebäude der BOKU, überflog den Studienführer und befand ein Studium für vielseitig genug, um alle meine Interessen in irgendeiner Form abzudecken: Landschaftsökologie - noch im Versuchsstadium. Dieses Studium begann ich, und sollte es 10 Jahre später auch - in seiner regulär eingeführten Form, der Landschaftsplanung - abschließen, ohne große Begeisterung aber doch mit leidlichem Interesse, geprägt durch meinen Vater, einen passionierten Hobbygärtner und Privatgelehrten der Naturwissenschaft, der mir Zeit meiner Kindheit wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte.
Daneben begann ich mich ein Jahr nach Studienbeginn intensivst mit zeitgenössi-schem Tanz zu beschäftigen, mit großer Passion und Hingabe, und durchaus einigem Kostenaufwand. Ich übte mich bereits in dieser Zeit im prekären Überleben. Ich hatte in meinen zwanzigern nie Ziele vor mir ausser dem, besonders zu sein und meine Interessen nach Möglichkeit auszuleben. Ein sicherer Job, der viel Geld bringt, oder gar die Pension der späteren Jahre waren für mich kein Thema.